Erfahrungen mit dem Kat

Wie wir zum Kat kamen ...

....... ist schnell erzählt, mir hat schlicht und ergreifend die Krängerei auf einem Mono nicht gefallen. Ausserdem bot uns unser erster Kat, eine Prout Sirocco 26 auf 26 Fuss soviel Platz, wie ein Mono auf 36 Fuss. Das Platzangebot war (ist) überwältigend und für eine Familie schlicht ideal.

Die Auswahl, warum es ein Prout und nur ein Prout sein musste (und immer sein muss!!) war genauso schnell getroffen: es ging uns noch nie um Geschwindigkeitsrekorde, sondern, auch wieder in Hinblick darauf, dass bei uns ausser den beiden Erwachsenen 2 Kinder und ein Hund (später auch eine Katze) mitsegelten, war Sicherheit immer die erste Priorität.

Prout ist ein englischer Hersteller und der englische Kanal und die anderen Meeresgewässer rund um die britische Insel sind nun beileibe kein Ententeich. Man kann also zunächst schon einmal davon ausgehen, dass die Engländer wissen, wie man starke Schiffe baut.

Ferner ist Prout die älteste Katamaranwerft weltweit und statistisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Prout mit seinem untertakelten Rigg kentert, geradezu zu vernachlässigen. Diese Sicherheitsstatistik konnten französischer Hersteller nicht bieten, man erinnere sich nur an die katastrophalen, mit Todesopfern begleiteten Kenterungen der "Maldives".

Den Innenausbau empfinden wir, in Relation zur Schiffsgrösse gesetzt, bei Prout nach wie vor am optimalsten. Innen alles offen und dennoch mehr als stabil, ist das Schiff auch in den Rümpfen von Helligkeit durchflutet, man hat immer alles im Blick, tote Winkel gibt es nicht. Dazu ist der Kat von aussen flach wie eine Flunder, was sich beim Windwiderstand ausserordentlich günstig auswirkt.

(ausserdem ist jeder immer höchst erstaunt, wenn er ins Schiff reinkommt und sieht, wieviel Platz die flache Flunder bietet J )

aktueller Nachtrag: derzeit, 2002 musste Prout leider schliessen, was wir ausserordentlich bedauern, Nach wir vor ist Prout für uns das Nonplusultra und, sollte Robert Underwood und Bob Dempsey jemals wieder mit eigener Werft auf die Füsse kommen, würden wir ihnen jederzeit die Treue halten. Speziell Bob gilt uns absolut als Guru und wir finden es ausserordentlich traurig, dass wohl aufgrund schlechtem Management soviel hervorragendes Fachwissen den Kateignern verloren geht.

Segelverhalten

(bezogen auf einen (über-)ladenen Fahrtenkat......)

Um es gleich vornweg zu sagen: eine rasende Rennziege ist Veligandu nicht!

Wir sind immer wieder erstaunt, wenn wir Kat-Fremden erzählen, wir hätten 20 Knoten gehabt und die beziehen das auf den Speed...... wobei wir die Windgeschwindigkeit meinen.... ich frage mich ehrlich, wie solche Märchen aufkommen.

Natürlich gibt es Katamarane, für die 15, 20 oder mehr Knoten keine Seltenheit sind, aber das sind dann wohl die Monster-Rennziegen bei den Atlanticraces und keine Fahrtenkatamarane, bitte schön!!

Es kann mir keiner erzählen, der einen voll ausgerüsteten Kreuzerkat unterm Hintern hat, auf dem GELEBT (!) wird, also der halbe Hausstand mitgeführt wird, dass der unter normalen Bedingungen und in der Grösse unserer Snowgoose (37 Fuss) über 10, mit Spi max.12 Knoten kommt. Auch wir haben einmal (relativ) voll beladen 12 Knoten erreicht, aber unter maximal guten Bedingungen, mit einem knackigen achterlichen Wind plus passender Welle im Golf von Korinth bei Ostwind auf direktem Westkurs.
Aber wann hat man sowas schon mal...... ???
J

achterlicher Wind

für uns ein Traum! Da kann die Welle ruhig hochgehen, Veligandu rollt wie auf Schienen, das ist unser absoluter Traumkurs, allerdings brauchen wir wenigstens achterlich 10 Knoten auf der Anzeige, das heisst wahren Wind von über 10, besser um 15 Knoten, damit Veligandu überhaupt in Fahrt kommt.

raumer Wind

auch was sehr Feines und teilweise leichter zu händeln als achterlich, da Butterfly nicht so Veligandu´s Ding ist, bedingt durch die Stellung der Wanten. Auch hier sollen es schon 10 Knoten Wind sein, damit wir in Fahrt kommen, aber dann ist es traumhaft und der Kat läuft sehr ruhig.

halber Wind

wär ja gar nicht so übel, wenn die halbe Welle nicht wär. Die halbe Welle ist das, was wir am meisten hassen und daher kreuzen wir eher, als das wir den halben Wind so nehmen, wie er kommt, auch wenn es vom Kurs her passen würde.

Gerade im Mittelmeer mit seiner kurzen steilen See hebt dann die Welle den einen Rumpf an, schiebt sich unter das Schiff, der angehobene Rumpf platscht runter, der 2. Rumpf wird angehoben und senkt sich wieder ab, dieweil die nächste Welle bereits schon wieder unter dem ersten ist....und so weiter..... den Schiffschaukeleffekt kann man sich vorstellen, also nun gar nicht unser Ding!!
Vor allem wo man bei einem Kat ja eigentlich kaum Schiffsbewegung gewöhnt ist ...

hoch am Wind

der schnellste Kurs und sofern die Welle nicht so hoch ist, ein schöner Kurs, nicht viel anders als beim Mono, aber der Kat geht nicht so hoch an den Wind (zumindest unserer).
Bei schwachem Wind ist bei 60° Ende, bei Winden über 15kn geht Veligandu nur unter Segeln bis 50°, wollen wir noch mehr Höhe rauskitzeln, muss dann leider die Maschine mithelfen.

Krängung

Tut er das, läuft was falsch........;-), der Normalfall ist aufrechtes Segeln, bei dem die Kaffeetassen stehenbleiben und die Bücher in der Navi genauso! Bei uns wird nichts weggeräumt, was die Faulheit fördert und sich bei überraschenden Winden von mehr als 25-30 Knoten auch manchmal rächt.... denn bei einem 8er (wenn er nicht genau von achtern kommt) fällt auch beim Kat was um, ein Schelm, der anderes behauptet....

Sturmverhalten

Der stärkste Sturm, den wir bisher mit Veligandu auf See erlebten, waren 55 Knoten, also ein 11er in Höhe von Kalkan in der Türkei.

Rasmus sei Dank kam die Bescherung von hinten, wir hatten ein Fitzelchen Genua noch stehen und damit surfte Veligandu ausserordentlich ruhig dem sicheren Hafen zu. Die hinter uns laufende Welle schätzen wir auf 2-3m, brechende Kämme, selbstredend war der Autopilot unwillig knurrend ausgestiegen und Handsteuerung angesagt. Das Schiff lief ruhig und nicht aus dem Ruder, keine Probleme.

Einen ebenfalls achterlichen Wind mit "nur" 43 Knoten, aber dennoch höherer Welle hatten wir vor Nordsizilien, in der Nähe von Cefalu. Die Welle war so hoch, dass wir die (ebenfalls ziemlich hohen) Berge von Sizilien teilweise nicht mehr sehen konnten, türkisfarbene Wände. Auch hier lief unser bestes Stück wie auf Schienen, kein Problem.

Stabilität

Dies haben wir in einer Extremsitation testen können. Mitten in der Setur-Marina in Antalya/Türkei geriet Veligandu exakt in die Bahn eines Tornados, der laut späteren Gutachten die über die Marina erstellt wurden, in seiner Zentrumsbahn, die nur eine Breite von 20-30 m hatte, ca 300 km/h erreicht haben soll. Hier konnten wir die Stabilität eines Prout-Katamarans testen und diese wurde uns mehr als ausreichend bewiesen.

Die Monos im Hafen krängten unter der Wucht des Tornados weg, was ja ihrer Natur entspricht. Dies versuchte auch unser Nachbar, allerdings ohne Erfolg, da sich Veligandu komplett durch den Winddruck, der unter das Brückendeck fegte, in die Lüfte erhob, wo sie von Amts wegen ja eigentlich nix zu suchen hat..... (Dabei nahm sie auch die Mooringsteine mit, die gemäss Gutachten bis zur Wasseroberfläche angehoben wurden und auch die Betonpier brach auseinander !)

Der Mono traf auf unseren Widerstand und knallte mit seiner ganzen Wucht auf unsere Backbordseite.

Gott sei Dank in Höhe der Schottwand, die den Druck aufnahm und damit eine 22mm starke Massivholzwand quer zum abscheren brachte.

Natürlich waren wir fix und fertig, aber der Sachverständige von Pantaenius, dessen täglich Brot Yachtschäden durch Hurricans, Zyklone und was der Nettigkeiten mehr sind ist, tröstete uns mit den Worten "ach, das ist doch ein Prout, wenn ihr denn repariert habt, ist er genauso fit wie vorher, mit DEM Elefant könnt ihr noch ein paar Mal rum....!" Das ging runter wie Öl und dann noch aus berufenem Munde!

Der Tornado ist nun über 6 Jahre her und wir können seine Aussage nur bestätigen. Nachdem die Reparaturen unter Hilfeleistung eingeflogener, deutscher Spezialisten (unter anderem Herrn Wrede von der Wrede Werft) erledigt waren, ist absolut kein verändertes Verhalten am/im Schiff zu bemerken und Veligandu ist so zuverlässig und stabil wie eh und je.

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Veligandu - Segeln im Mittelmeer