Lotti, die Schwester von Veligandu

Wie wir zu unserer Lotti kamen......

Veligandu und ihre Crew hatten nun schon viele viele Küsten, Buchten, Häfen und für die Trips nach Deutschland auch Flughäfen gesehen. Aber da der Herr Kapitän seinen zweirümpfigen Liebling nur äusserst ungern alleine lässt, belief sich der Radius dessen, was wir vom jeweiligen Land sahen zumeist auf ca. 100m hinter der Hafenfront... so landeinwärts gesehen ...!!

Auf die Dauer wurde das doch recht langweilig und so keimten erste Gedanken an einen fahrbaren Untersatz. Unseren kleinen Mazda, der uns über 10 Jahre treu war, hatten wir blutenden Herzens auf Mallorca gelassen. Wollten wir fliegen, gabs stets und ständig Trouble mit den Fluggesellschaften, die ein Riesentheater um ein oder zwei Kilo zuviel Hund machten, denn ins Innenraumflugzeuggardemass von 5 Kilo passte unsere Idefix nicht rein, wohl zwar in ihre Hundetasche, aber sie bringt eben zwischen 7 und 8 kg auf die Waage und das war jedes Mal eine Mörderzitterei. Hätte eine Fluggesellschaft sie einmal abgelehnt, im Innenraum mitzunehmen, wären glatt 2 Tickets verfallen, denn NIE und N IMMER würden wir zulassen, dass unser Liebling in den lauten Frachtraum in eine Box käme......

 

Der nächste Punkt war, dass wir sehr wohl etwas von Land und Leuten sehen wollten, aber Hotels und Pensionen hassen wie die Pest. Ähnlich merkwürdiges Verhalten legen wir bei Restaurant und Gaststätten an den Tag. Mal ganz davon abgesehen, dass uns meist nix von aussen anmacht, so dürfen zumindest im Süden in 90% nirgends Hunde mit hinein und obendrein schmeckts zu hause ja doch am besten, da ist die Bordfrau ganz eingebildet und ein ganzer  Haufen begeisterter Segler und anderer Freunde gibt ihr da recht! Darüber hinaus WEISS man halt beim selbstkochen, WAS drin ist, unter welchen hygienischen Bedingungen es fabriziert wurde und Spass machts obendrein sowieso!

Tja, nächstes Thema waren die Kröten..... reisen will man ja, aber wer zahlt... *grins*..... Spendenaufrufe übers Netz verhallten ungehört.....Lotto war auch nicht der Bringer....... der Aktienmarkt war sehr hilfreich, allerdings im vernichten der Kohle....

So kamen wir zwangsläufig auf die Wurzeln aus der "Vor-Veligandu-Zeit" zurück... Wohnmobil. Man hat Bett, Küche und Bad immer dabei und ist (relativ) frei überall dahin zu fahren wohin man möchte. Zudem ist zumindest im Süden freies Stehen überhaupt kein Problem und in Mittel- und Nordeuropa muss man halt auf Plätze, aber daran solls ja nun nicht scheitern.

So machte sich die Bordfrau ans Werk und surfte sich die Augen eckig, die page www.mobile.de kann man jedem nur wärmstens empfehlen. Etliche Schnäppchen gingen uns durch die Lappen, weil wir zu langsam waren. Immerhin ist der Prevezaflughafen geschlossen und man muss erst nach Athen kommen (dauert per Auto ca. 5-6 h), dann einen Flug nach Deutschland nehmen und DANN noch in die Ecke Deutschlands kommen, wo das Objekt der Begierde angeboten wird, alles nicht so einfach.

Zudem gabs mächtige Grundsatzdiskussionen. Zuerst musste mal der Preisrahmen festgelegt werden. Als wir uns da einig waren, gings an die Debatte bezüglich der Grösse..... in jungen Jahren, noch ohne Kids, waren wir eingeschworene Joker-Fans.... nunja. Man wird älter, entwickelt Macken und Wehwehchen und vor allem die Bordfrau wurde auch ziemlich viel breiter *lach* als in Jugendjahren, sodass SOWAS denn doch zu mini war, ausserdem nicht luxuriös genug, denn Bad muss schon sein.

Mit den Kindern (vor den Schiffen) hatten wir einen Dethleffs Globetrotter, einen Nasenbär, also ein Alkovenwomo. Wenn ich mich recht erinnere hatte der so um die 5,80m, das fand ich ok, aber Fritz war das nun doch zu klein... obwohl ja nun 2 Personen weniger damit rumkurven würden, aber wie gesagt.. die Macken... siehe oben.

PIC00045.jpg (21648 Byte)Irgendwann im Dezember fanden wir auf besagter mobile.de Seite einen Pilote bei einem schwäbischen Händler. Mir gefiel der sofort sehr gut, zumal die Küche grosszügig war und als Oberfläche KACHELN hatte, was Fritz reichlich hausbacken fand. Aber ich argumentierte, dass man da auch mal einen heissen Pott draufstellen kann ohne dass es Blasen wirft.....und im Endeffekt war ihm die Innenansicht reichlich wurscht. Aber bestechend war der starke Motor, denn die meisten Angebote hatten nur 75 PS Diesel und dieser war bzw. ist ein 95 PS Turbodiesel, hat eine Dinette UND eine Hecksitzgruppe, was wir seeehr gemütlich finden.

PIC00008.jpg (20627 Byte)Lange Rede kurzer Sinn, am 9.1. beschlossen wir, jawohl, das soll unserer werden. Und nun kann man mal sehen wie klein die Welt ist. Denn soo vermessen, einfach per Netz ein Wohnmobil blind zu kaufen sind noch nicht mal wir..... Ich hatte bereits seit längerer Zeit im Brigitte-Chat eine nette Frau kennengelernt, der ich nun von unserem Vorhaben erzählte..... und wie es der Zufall so will hat ihr Mann in EBENJENEM Städtchen ebenfalls ein Autohaus und war so nett, sich für uns den Pilote anzugucken. Er fand ihn ok, fürs Alter und den Preis hervorragend in Schuss und so gaben wir am 9.1.03 um 1920 dem Händler das ok, zahlten gleich per Überweisung an, damit er das Womo für uns reservierte. Das war auch sehr geschickt, denn am NÄCHSTEN Tag kam extra jemand aus Norddeutschland angereist, der den Pilote direkt vom Hof wegkaufen wollte, aber NUN war er unser.

PIC00015.jpg (18656 Byte)Auf den Bildern im Netz, die ich mir immer wieder voller Vorfreude reinzog, sah es so aus, als ziere das Womo mittig ein, pardon, schwuchtelrosa Streifen. Der und der Typname Pilote erzeugten dann spontan bei mir die Eingebung: "das ist Lotti!" (bitte entsprechend mit abgespreiztem kleinen Fingerchen aussprechen, jaaa, ihr Lieben... *grins*)

Und so bliebs dann auch dabei.

PIC00007.jpg (16444 Byte) Ratzfatz war dann ein Flug gebucht, der Plan war, ein Auto zu leihen, mit dem ein anderer Segler Fritz dann nach Athen fahren würde, dafür könnte er für den Rest des Tages das Auto dann für sich nutzen... nur..... als Fritz zu dem Autoverleiher kommt will der doch glatt 220 Euro plus Benzinkosten...... Fritz war kurz vorm Herzinfarkt zumal er das Ticket ja in der Tasche hatte. Das war also schomma nix.

Bus hätte von der Verbindung nicht gepasst, damit hätte er den Flug verpasst.... auch die nationalen Flüge von Aktio passten nicht zum Zeitpunkt des Anschlussfluges nach München.

Hmmm??!!

PIC00010.jpg (17308 Byte)Letzte Chance war Iannis, unser freundlicher Taxifahrer. Er wollte 230 Euro für die Fahrt, Fritz (Türkei-proofed) handelte ihn noch etwas runter und die Sache war geritzt. Im Nachhinein denke ich, der Preis war mehr als fair, denn der Mann sass dafür fast 10 Stunden hinterm Steuer, hatte Benzinkosten, Autobahngebühren, Fährgebühr bei Rion-Antirion und zu allem Überfluss fand Fritz heraus, dass "dank" Olympia er NIE den Flughafen gefunden hätte, Athen ein oberhässlicher Moloch ist, wo sich ein Fremder keinesfalls zurechtfinden kann.

Wie auch immer, alles ging prima. Iannis lieferte ihn pünktlich und wohlbehalten am Athener Flughafen ab....... und dann ging die Maschine nicht raus. Zuerst dachten wir, es läge am Fluglotsenstreik in Deutschland, aber dem war nicht so. Die Maschine der Olympic Airways hatte beim Start in Deutschland schon technische Schwierigkeiten, musste dann in Belgrad notlanden. Dort wurde sie angeblich repariert, startete via Athen und hatte wieder Trouble. Als ich das von Fritz am Telefon hörte, beschwor ich ihn, auf alle Fälle DIESE Maschine nicht zu nehmen und wenn er das Ticket verfallen lassen müsse, ich hätt ihn ganz gern gesund und am Stück zurück. Mittlerweile hatte die Maschine bereits 5 Stunden Verspätung. PIC00009.jpg (15563 Byte)Ein deutsches Ehepaar, das seinen Hund bereits eingecheckt hatte, wollte natürlich denselben wieder heraushaben, der arme Kerl hockte ja nun schon seit 5 Stunden in seinem Käfig im Frachtbereich in der Kälte.... sie bekamen lapidar zur Antwort, das ginge nun nicht, man hätte andere Sorgen.... Schön gell?

Wie auch immer, nach ein paar weiteren Stunden platzte meinem Skipper der Kragen und er machte der Tante am Schalter der Olympic Airways klar, er verlange eine Umbuchung auf die nächste Morgenmaschine der Lufthansa sowie ein Hotelzimmer, man könne ihm ein weiteres Warten und einen Nachtflug aufgrund einer Blutdruckerkrankung nicht zumuten. Und es klappte! Er und die anderen Passagiere, die sich nun diesem Verlangen anschlossen, bekamen Hotelzimmer und wurden auf den nächsten Morgen für die Lufthansa umgebucht, die die Leute dann auch gut und sicher nach München brachte.

PIC00019.jpg (14914 Byte)Fritz holte dann seine Lotti, in die er sich sofort unsterblich verliebte und die er aufgrund ihres Fahrverhaltens intern Flotte Lotte nannte, meldete sie in Worms an, wobei er mir damit ein besonderes Geschenk machte, was auch extra kostete... das Nummernzeichen.... WO für Worms is  klar.... aber dann...K (arin) G (erkhardt) 222, klasse oder??

Tja Leute, SO ist MEIN Skipper!!

Ich verbrachte derweil mehr schlecht als recht eine Woche alleine auf Veligandu, begleitet von ständigen Bluthochdruckattacken, aber man gönnt sich ja sonst nix.... alle Medikamente nutzten nix... kaum war mein Süsser mit Lotti wieder zu hause, war auch mein Blutdruck wieder in Ordnung.... noch Fragen *grins*?

Der Heimweg gestaltete sich natürlich auch nicht ganz problemlos. Am Tag, als Fritz übern Brenner kam, rief er an und fragte nach dem Seewetterbericht, den ich logo abgerufen hatte.... tja... Venedig kannste vergessen, sagte ich ihm,... die Adria hat nen 9er mit 4m Welle, also fahr weiter nach Ancona. Gesagt getan, in Ancona rief er wieder an, jou, die See ist weiss und kocht, also such ich mir mal nen Platz und übernachte hier. Ich bekam prompt wieder Angst, sagte, aber bitte was richtig sicheres, am besten vor den Carabinieri oder so.... Die Fähre war mittlerweile eh weg, sie legte um 1500 ab. Um 1800 ruft mein Mann an, ich will dir nur sagen , bin auf der Fähre....????.... aber nicht auf der nach Igoumenitsa, die war ja weg, sondern auf der nach Patras.

PIC00014.jpg (19490 Byte) Aha!

Nirgends fand er einen sicher erscheinenden Platz und so düste er trotz Sturm und Megawellen auf die Fähre. Aber hohe Wellen und Geschaukel sind wir ja gewohnt, zumal es eine Art Katamaranfähre war, das Schiffschaukelfeeling war ihm also vertraut. In Patras angekommen... der nächste Hammer.... Streik der Fähre, denn Patras liegt auf dem Peloponnes, Fritz musste aber ans Festland... wieder 3h Warten... aber dann, EEEEEEEEEEEEEENDLICH, nachdem ich 75 Minuten mit dem Fernglas in der Tür gekauert hatte und die Hafenstrasse beobachtet hatte, schwankte ein Mörderteil von Womo drüben hinter den Schiffen vorbei...... LOTTI!!!

Tja, Leute, soweit die Vorgeschichte und nun gehts los!! Derzeit unternehmen wir Tagestouren ans Festland, das wider Erwarten wunderwunderschön ist, wie ihr ja auch unschwer auf den Bildern erkennen könnt.

Im März werden wir mit der Fähre nach Venedig fahren und dann gemütlich Richtung Worms tuckern, wo Judith am 3.4.03 ihre Abiturfeier hat.

Danach gilt es einige landfest gewordene Ex-Segler zu besuchen, was laaange nasse Nächte bedeuten wird....

Ca. Mai/Juni werden wir dann über Frankreich und Italien wieder zu unserer Veligandu zurückkehren, die ja nach wir vor unser Hauptaugenstern ist. Über alle "Landtörns" werden wir hier berichten, also guckt immer mal wieder rein.

Die Bildergallery unserer Lotti
Die Bildergallery von Lotti's 1. Fahrt
Die Bildergallery von Lotti's 2. Fahrt

Wer noch mehr wissen will, kann auch seine Fragen stellen unter

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